Kunstprojekte in St. Leonhard    <<   beteiligt     materialien     info

I N I T I A L Z Ü N D U N G  PARTIZIPATOREN/LeoPART  2007 / 2008 / 2009 |  Clean Graffity 10/11  |  Familiengeschichten 09/10  |  Heimat ist da, wo ich bin  |  Horse Plot 10  |  Joker - Minidramen 10  |  Kunst & Logis Frei ! 09/10  |  Leonhard - Guck mal ! 09  Liebevolles St. Leonhard Die schönsten Bordelle... 09/10/11 Mein Gesicht ist dein Gesicht 09  |  Nachbarn in St. Leonhard 11  |   Rosi, Ross und Reiter 09  |  Schatten: Schau ! Spiel ! Gesichter eines Stadtteiles 09/11  |  Tai Chi 10/11   |  Was Ihr Wollt - Projekte die noch keiner kennt 10/11  |  Weg entsteht im Gehen 09  |  Weisser Punkt 09/10  |  Lieder im Wind 09  |
 
Werner Pregler      >>> Weg entsteht im Gehen <<<


 
 
Führung durch den Stadtteil mit dem Bezirkschornsteinfeger Michael Unglaub 17.Juli'09  Foto: Stefan Hippel
 
 


Richard Wagners »Parsifal«. Als Jurist gewohnt logisch zu denken, also in den Kategorien von Ursache und Wirkung, Handlung und Folge, nützt diese Art des logischen Denkens in der Auseinandersetzung mit dem Ort nichts. Es gibt beim Flanieren die verschiedenen Zeiten eben gleichzeitig:
Ein uraltes Haus steht neben einem neuen, es gibt flüchtige Momente neben dauerhaften Monumenten und auch zunächst belanglos anmutende Kleinigkeiten können zum Denken anregen. Als berühmtester »Vorgänger« des Gehens als Erkenntnismethode dürfte wohl Walter Benjamins »Flaneur« gelten, weiterhin hat Lucius Burckhardt auch schon künstlerisch eine »Spaziergangswissenschaft « ausgearbeitet, die den schönen Namen »Promenadologie« trägt. Ich habe mich damit aber absichtlich erst viel später beschäftigt, weil ich keine fremden Konzepte übernehmen, sondern letztlich ein eigenes entwerfen wollte. »Warum riecht es hier eigentlich so?« »Warum steht hier ein uralter Schuppen, aberkein Bauernhaus mehr?« Diese Fragen lassen sich dann aber doch nicht mehr allein durch unmittelbare Anschauung beantworten. Also im zweiten Schritt dann doch »Theorie«, deren griechischer Ursprung ja auch die Momente des Beobachtens,
Betrachtens, [An]schauens beinhaltet: Zum Beispiel die Geschichte des Stadtteils von Lothar Eisen, das Stadtteilbuch des Vereins »Geschichte für Alle«, aber auch kulturanthropologische Studien, das Studium von Karten... Das ist für mich das letztlich Spannende an dieser Auseinandersetzung: Die Mischung aus
sinnlichen Eindrücken und Denken.

 
  Weg entsteht im Gehen I

Im September 2008 zeigte ich im Schaufenster von »Pferdesport Hoffmann « Texte und Fotografien. Die Fotografien sind während meiner Spaziergänge – quasi beiläufig entstanden. Sie sind nicht als eigenständige
Arbeiten zu betrachten.

Weg entsteht im Gehen II

Es gibt viele St. Leonhards oder: »Jeder hat in seiner Stadt seine persönliche Stadt.« (Emine Sevgi Özdamar)
Ein großer Teil des Stadtviertels besteht nicht nur aus dem meist thematisierten Altbaugebiet, der in der Presse gerne als Problemgebiet geschildert wird, sondern es gibt auch die großen Siedlungen der Wohnungsbaugesellschaften und auch überraschend große Reihenhaussiedlungen. So interessiert mich besonders, welche Orte im Alltagsleben der Bewohner für die Einzelnen wichtig sind. Vermutlich sind dies gerade nicht die geschichtlich oder kunsthistorisch bedeutendsten.
Daher habe ich für das Projektwochenende im Juli 2009 Christine Gaberdan, die jahrzehntelang auf dem St. Leonharder Friedhof gearbeitet hat, und Bezirksschornsteinfegermeister Michael Unglaub, der schon von Beruf wegen einen anderen Blick hat, gebeten, ihre persönliche Sicht bei einem Spaziergang zu zeigen.
An diesem Wochenende habe ich auch selbst einen Stadtteilspaziergang geführt. Und dabei bewusst keinen fertigen Vortrag ausgearbeitet, um möglichst spontan auf Beobachtungen, Geschehnisse, Einwürfe etc. reagieren zu können, denn:
»Wanderer, deine Spuren sind der Weg, sonst nichts Wanderer es gibt keinen Weg Weg entsteht im Gehen«
( Antonio Machado ) (zitiert nach Jürg Stenzl, Luigi Nono, Reinbek bei Hamburg, 1988)

Ausblick
Letztlich geht es mir darum, die Fähigkeit zu entwickeln und zu vermitteln, die Shelley Sacks in einer kreativen Neuschöpfung des Begriffs »responsibility« (Verantwortung) als »response-ability« oder »ability to respond« bezeichnet hat. Also die Fähigkeit, auf etwas – eine Person, einen Ort, eine Situation – mit einer neuen Wahrnehmung zu reagieren, zu antworten (vgl. auch den deutschen Begriff »Ver-antwort-ung«). In nächster Zeit werde ich mich intensiv mit einer Straße in St. Leonhard – der Kreutzerstraße – beschäftigen. Dabei soll es räumlich immer kleiner werden: ein Haus, eine Wohnung, ein Mensch...
 
 

aus der Fotoserie von Werner Pregler