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![]() Lieder im Wind am St. Leonhardsplatz, 18.Juli 2009 Foto: Regina Pemsl |
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Am Wochenende 17./18. Juli 2009: Mieses Wetter, gute Laune. Am Morgen hatten wir unsere Fahnen aufgezogen und die bunte Kaffeetafel aufgebaut. Die mehrsprachigenBanner und die farbigen Transparente leuchteten nass besonders schön. Der sonst unscheinbare Park war geschmückt anziehend geworden. In den Trockenphasen ließen sich die Leute an der Tafel nieder. Es gab Kaffee und Gespräch. Die deutsche Seniorengruppe sang wasserfest ihre Volkslieder. Viktor am Akkordeon undWalter an der Trompete hielten die Stimmung in Gang. Es wurde gesungen, einfach so, in der Öffentlichkeit. Der Sazspieler Hüseyin kam am Samstagabend. Es goß aus Kübeln, außen ging nichts mehr. Wir flüchteten in die Ausstellung von Michael Aue. Susanne spielte Querflöte mit Hüseyin, türkische Mädchen tanzten, erst ein wenig schüchtern, dann immer mutiger. Die Stunden in der ehemaligen Bäckerei, als Gäste in der Ausstellung – verschiedene Menschen auf engem Raum – draußen wurde es dunkel und es regnete immer noch – Momente der Verbundenheit, die nicht planbar sind. |
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Wie kann man durch Kunst in Kontakt mit Leuten kommen, denen die heutige Kunst fremd ist. Wir, Regina Pemsl und Wolfgang Weber, dachten an »Feste feiern«: Wie feiern die einen, wie die anderen? Und ob sie das nicht zusammen tun könnten. Es gibt über 30 Herkunftsländer, aus denen sich die Bewohner in St. Leonhard ansiedelten. Wir zogen los, um nach Fotos von privaten Feiern zu fragen, ob sie uns jemand zur Verfügung stellen würde für eine Ausstellung im »Pferdesport Hoffmann«. Nach mehreren Ladenbesuchen, wurde uns klar, dass das der falsche Weg war. Eine Inhaberin hatte uns völlig entgeistert angeschaut, denn unser Vorhaben ließ sich überhaupt nicht kommunizieren. Danach beratschlagten wir auf dem Leonhardspatz, wo die Sitzbänke die Stämme der Bäume umschließen und sich die Gelassenheit einer Parkatmosphäre trotz des unmittelbaren Verkehrslärms herrscht. Es saßen einige Leute auf den anderen Bänken. Wir dachten an Volkslieder beim Blick in das gelbe, fallende Herbstlaub: »Lieder im Wind« – die Projektidee war geboren. Die Bewohner St. Leonhards haben aus ihrer Heimat ihre Sprachen mitgebracht. In Volksliedern lebt die Erinnerung an Kindheit und Heimat fort. Der äußere Ort, der einmal Heimat war, ist dem neuen Wohnort, der neuen Heimat gewichen – der innere Ort der Sprache und des Liedes bleibt erhalten als Muttersprache. Das Volkslied ist wie Klang gewordenes Leben. Es ist aus der Färbung der Landschaft und des Klimas, aus den Rhythmen der Arbeit, den Festen, der Liebe, dem Humor, der Trauer eines Volkes hervorgegangen. In der musikalischen Gestaltung durchaus verschieden, zeigen sich die Texte der Lieder nah verwandt. Wir stellten unser Vorhaben dem Stadtteilarbeitskreis vor, um Interesse und Teilnahme zu wecken. Dort lernten wirSabine Arnold kennen, die innerhalb des Projekts Sinnstiftung russlanddeutsche Spätaussiedler betreut. Über ihre Vermittlung spielte Simon, ehemaliger Konzertmeister aus Oddessa, Akkordeon bei unserer Schaufensterausstellung im »Pferdesport Hoffmann« und seine Frau Julia, klassisch ausgebildete Sängerin, sang dazu. Unser freundlicher türkischer Nachbar übernahm die Bewirtung. Bei einem Treffenim »Samovar«, einmal im Monat zur Kontaktpflege der Russlanddeutschen, wollten wir »Lieder im Wind« vorstellen. Leider kam nur eine Besucherin. Im April wurde das Quartiersmanagement am Leonhardsplatz eröffnet. Wir hatten eine internationale Musikgruppe mit Mitgliedern aus dem ehemaligen Jugoslawien und der Sowjetunion engagiert, die Volkslieder aus ihrer Heimat und auch deutsche in slawischer Interpretation vortrugen. Liedertexte hingen zwischen den Bäumen und wir machten einen Umzug mit unserem mehrsprachigen Transparent »Lieder im Wind«. Jakob, der Trompeter, ging voran und wir hielten unser hoffnungsfrohes, grünes Transparent hoch – zur Schwabacher Straße vor den »Pferdesport Hoffmann«, unserem Quartier vor Ort, und zurück. Die Leute lasen die Liederzettel. Die jungen Mädchen von der Schule nebenan kochten mir Spaß Kaffee und boten selbstgebackenen Kuchen an. Für das Sommerprojekt (17./18. Juli 2009) wählten wir Lieder der zahlenmäßig am stärksten vertretenen Bevölkerungsgruppen, die den meisten bekannt sein könnten – in russisch, türkisch, griechisch, italienisch, polnisch und deutsch. Auf dem Stadtteilfest hörten wir einen ausgezeichneten türkischen Sazspieler und fragten, ob er bei uns spielen würde. Er sagte sofort zu. Im griechischen Speiselokal schaute sich die Bedienung unsere Liederbücher an und nannte uns einige bekannte Lieder. Den Teilnehmerinnen am Deutschkurs für Russlanddeutsche, den Frau Arnold gibt, wählten mit Begeisterung Lieder aus und sangen sie sicher intoniert aus dem Stegreif vor. Der Betreiber eines türkischen Internetcafes half uns bereitwillig; seine Nichte machte später bei uns mit. In der griechischen Pilsbar fragen wir die polnische Bedienung. Der italiensche Supermarkt schenkt uns reichlich Kekse – und so fort, Gespräche hier und dort, Plakate, Einladungen, Begegnungen auf dem Leonhardsplatz. |
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Lieder im Wind am St. Leonhardsplatz, 18.Juli 2009 Foto: Stefan Hippel ![]() |
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