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Regina Pemsl      >>> Schatten: Schau! Spiel! 09 <<<


   
 

St. Leonhardsplatz, 17/18.Juli 2009 Foto: Stefan Hippel
   
 

Schatten und Silhouetten faszinieren die Menschen solange sie denken können – von der Höhlenmalerei zum Höhlengleichnis beschäftigt das Zwischenreich der Schatten sowohl die Phantasie als auch das abstrakte Denken. Ursprünglich von den Arabern aus Java mitgebracht war das Schattenspiel im gesamten
Vorderen Orient ab dem 16. Jh. eine feste Größe – noch heute sind die zwei Gegenspieler Karagöz (Griechisch »Karagiozis«) und Hacivad in der Türkei und Griechenland so bekannt, wie Kasperle und Seppl in Deutschland. Nie richtete sich das Spiel jedoch nur an Kinder, immer wieder wurde es auch in politisch angespannten Zeiten als Ausdrucksmittel – suggestiv oder subversiv – genutzt.
An diese Erinnerungen, die bei der jüngsten Generation gerade von Helden der Mattscheibe verdrängt werden (große Teile der Bewohner St. Leonhards stammen ursprünglich aus Griechenland und der Türkei), vor allem aber an die konkrete Faszination des Spiels mit Schatten, knüpft die Projektidee an. In den Zeiten, als der Fernseher noch kein »Alleinherrscher« über die Abende war, wurde z.B. der griechische
Dorfplatz schon mal mit Bettlaken und Lampe zur Bühne.

Dezember/Januar 2008:
SCHAUFENSTER - Projektvorstellung

Feste und Rituale des Winters geben dem Reich der Bilder Raum, die nicht so fest mit der greifbaren Wirklichkeit verankert sind: In vielen Kulturen wird die dunkle Jahreszeit als eine Zeit des Übergangs – von der Dunkelheit zurück ins Licht und in ein neues Jahr gefeiert. Die Schaufenster vom ehemaligen »Pferdesport Hoffmann« verwandeln sich zu einem Kammerspiel für Schatten aus St. Leonhard: Der türkische Seniorenkreis aus der Villa Leon leiht seine Profile als Flügel für Schattenmühlen und Dr. Radisoglou griechische Schattenspielfiguren. Ein rotierender Tannenbaum zieht mit Keksfratzen seine Kreise. Christine und Betül sind die Silhouetten im Hintergrund ...

Juni/Juli 2009:
Des Pudels Kern

Im Kontakt mit den Bewohnern von St. Leonhard, liegt der Kern des Projektes. Es folgt das Anklopfen an viele institutionelle Türen, die sich aus Mangel an Möglichkeit oder Zeit nicht beteiligen können, so aber schon von »Schatten: Schau! Spiel!« und dem Gesamtprojekt LeoPART erfahren. Die engagierten Lehrerinnen mit der 5b von der Hauptschule St. Leonhard und der 6a aus der Carl-v.-Ossietzky-Schule, der Seniorenkreis des Mehrgenerationenhauses und die Senioren um Christine Gaberdan aus der Villa Leon werden schließlich Requisiteure für die Schattenspielbühne am Leonhardsplatz: Die Kulissenbauer sind zwischen 10 und 90 Jahren alt, sie stellen Schattenmühlen und Janusköpfe mit den eigenen Profilen, Körpersilhouetten und Hände aus farbiger PVC- Folie her. Mit allen Gruppen gibt es nach dem ersten Kennenlernen zwei bis drei Treffen, bei denen von konzentriert bis nahezu fieberhaft gearbeitet wird.

17. Juli 2009:
Bühne frei !

Trotz Schauern am Morgen ist das Wetter der Premiere gnädig: Gegen Mittag verwandeln sich etliche der früheren »Requisiteure« in Bühnenbildner beim Aufbau der Schattenspielkulisse. Unzählige Hände gestikulieren im Wind, die Profile der Schattenmühlen werden auf Erkennbarkeit überprüft, Silhouetten drehen Pirouetten, die langen Segel der Projektionsflächen werden zum Riesenspielzeug. Am Nachmittag geht auch der Scheinwerfer Sonne zum Spielen mit den Schatten an... Des Pudels Kern liegt nun offen: Viele, die schon mitgearbeitet haben, kommen wieder. Sie und andere Besucher verweilen am Leonhardsplatz, nehmen Kontakt zu den anderen Projekten auf – und vielleicht auch untereinander.
Was von den Schatten bleibt...
Ganz konkret sind alle Schattenobjekte nach dem LeoPART-Wochenende zu denen, die sie gemacht haben, zurückgekehrt. Frisch vom Tisch ist eine der Profil geschmückten Tischdecken kurz darauf auf die Wiese zu einem Menschenrechtsfrühstück, abgewandert, Hände und Schattenmühlen sind in Schulhäuser, vielleicht aber auch Kinderzimmer und Terrassen umgezogen.
Kontakte und Erinnerungen, die mit der offenen Atmosphäre von »Schatten: Schau !Spiel !« und den anderen Projekten am Platz entstanden sind, bedeuten aber das eigentliche Potential:
Das gegenseitige, persönliche Kennenlernen von Menschen, Orten und Hintergründen in St. Leonhard und Künstlern mit ihren Strategien und dem Blick von außen. Eine Einladung an beide Seiten, aktiv zu werden und ungewohnte Wahrnehmungen zu machen, ohne gleich auf Nutzen und Problemlösungen schielen zu müssen – was die Sicht bekanntermaßen trübt. Im Kontakt mit verschiedensten Menschen und Institutionen hat sich auf dem Weg zur Realisierung vom »Schatten: Schau ! Spiel !« gezeigt, dass trotz räumlicher und inhaltlicher Nähe oft (noch) keine Verbindungen bestehen. Der Rahmen eines Kunstprojektes
kann hier quasi »absichtslos« neue Brücken schlagen.

   
 
 
 
Fotos oben und unten: Stefan Hippel
 
 
 
 
Foto unten: Regina Pemsl